Robert Schumann (1810–1856) –
Aus den Romanzen für Frauenstimmen

Solda­tenbraut
Ach, wenn’s nur der König auch wüsst’, wie wacker mein Schät­zelein ist! Für den König da liess’ er sein Blut, für mich aber ebenso gut. Mein Schatz hat kein Band und kein’ Stern, kein Kreuz wie die vornehmen Herr’n, mein Schatz wird auch kein General, hätt’ er nur seinen Abschied einmal! Es scheinen drei Sterne so hell dort über Marien­capell’, da knüpft uns ein rosenroth Band und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand. Ach, wenn’s nur der König auch wüsst’, wie wacker mein Schät­zelein ist! Für den König da liess’ er sein Blut, für mich aber ebenso gut.

Waldmädchen
Bin ein Feuerhell, das lodert von dem grünen Felsenkranz; Seewind ist mein Buhl’ und fodert mich zum lust’gen Wirbeltanz, kommt und wechselt unbeständig, steigend wild, neigend mild; meine schlanken Lohen wend’ ich: Komm’ nicht nach mir, ich verbrenn’ dich! Wo die wilden Bäche rauschen und die hohen Palmen steh’n, wenn die Jäger heimlich lauschen, viele Rehe einsam geh’n, bin ein Reh, flied’ durch die Trümmer über die Höh’, wo im Schnee still die letzten Gipfel schimmern: Folg’ mir nicht, erjagst mich nimmer! Bin ein Vöglein in den Lüften, schwing’ mich über’s blaue Meer, durch die Wolken von den Klüften fliegt kein Pfeil mehr bis hieher, und die Au’n und Felsenbogen, Waldes­ein­samkeit wie weit, sind versunken in die Wogen; ach, ich habe mich verflogen!

Meerfey
Still bei Nacht fährt manches Schiff, Meerfey kämmt ihr Haar am Riff, hebt von Inseln an zu singen, die im Meer dort unter­gingen. Purpurroth, smarag­dengrün sieht’s der Schiffer unten blüh’n, silberne Paläste blinken, holde Frauen­mienen winken. Wann die Morgenwinde weh’n, ist nicht Riff noch Fey zu seh’n, und das Schifflein ist versunken, und der Schiffer ist ertrunken.

Der Wassermann
Es war in des Maien mildem Glanz, da hielten die Jungfern von Tübingen Tanz. Sie tanzten und tanzten wohl allzumal um eine Linde im grünen Tal. Ein fremder Jüngling, in stolzem Kleid, sich wandte bald zu der schönsten Maid; er reicht ihr dar die Hände zum Tanz,  er setzt ihr auf’s Haar einen meergrünen Kranz .
O Jüngling! Warum ist so kalt dein Arm? „In Neckars Tiefen da ist’s nicht warm.“ O Jüngling! Warum ist so bleich deine Hand? „In’s Wasser dringt nicht der Sonne Brand!“ er tanzt mit ihr von der Linde weit: „Lass’, Jüngling! Horch, die Mutter mir schreit!“ er tanzt mit ihr den Neckar entlang: „Lass’, Jüngling! Weh! Mir wird so bang!“ Er fasst sie fest um den schlanken Leib: „Schön’ Maid, du bist des Wassermanns Weib!“  Er tanzt mit ihr in die Wellen hinein: „O Vater und du, o Mutter mein!“ Er führt sie in seinen krystallenen Saal: „Ade, ihr Schwestern allzumal, Ade, Ade!“

Der Bleicherin Nachtlied
Bleiche, bleiche, weißes Lein, in des stillen Mondes Huth! Bist du bleich, dann bist du gut, bist du bleich, dann bist du rein. Bleiche, bleiche, weißes Lein! Bleich, bleich muss alles Ende sein.
Sonne giebt zu lichten Schein, lässt dem Herzen keine Rast; ist der Tag nur erst erblasst, wird das Herz auch ruhig sein. Bleiche, bleiche…. War ein thöricht Mägdelein, roth und frisch mein Angesicht; rothe Wangen taugen nicht, locken Unglück nur herein. Bleiche, bleiche… Eile dich und bleiche fein! Hab’ ja treu gewartet dein; legt man mich in’s Grab hinein, deck’ in Frieden mein Gebein! Bleiche, bleiche…

In Meeres Mitten
ist ein off’ner Laden und eine junge Kaufmannsfrau darinnen, die feil hat golden Band und Seidenfaden. In Meeres Mitten ist ein Ball von Golde;  es streitet drum der Türke mit dem Christen. Wem wird zuletzt der edle Schatz zu Solde? In Meeres Mitt’ ist ein Altar erhaben, mit Rosen­kränzen kommen alle Frauen; o bittet ihn für mich, Jesum den Knaben, o bittet ihn für mich!
Lied – In meinem Garten die Nelken mit ihrem Purpurstern müssen nun alle verwelken, denn du bist fern. Auf meinem Heerde die Flammen, die ich bewacht so gern, sanken zu Asche zusammen, denn du bist fern. Die Welt ist mir verdorben, mich grüßt nicht Blume, nicht Stern, mein Herz ist lange gestorben, denn du bist fern! So fern!

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