Nicola Antonio Porpora

Die vier Ospedali grandi boten in Venedig neben anderen kleineren Ospizi seit dem 14. Jahrhundert Hilfe für Kranke, Arme, alte und Waisen. Im Laufe der Zeit entwi­ckelten sich diese ursprünglich karitativen Einrich­tungen immer mehr zu Heimstätten der venezia­nischen Musik­pflege, bis aus ihnen letztlich die „berühmten Konser­va­torien“ des 18. Jahrhunderts wurden. Sie bestimmten neben den Opern­häusern und der Kapelle des Markusdoms das musika­lische Leben der Stadt und haben – trotz ihrer weitge­henden Aufhe­bungen im Jahr 1777 – bis heute nichts von ihrer einzig­artigen musika­lischen und musik­his­to­rischen Bedeutung verloren. Die Ospedali boten gesicherte Verhältnisse für die musizie­renden Mädchen und Frauen, bis diese verheiratet wurden, eine Karriere als Sängerin oder Musikerin begannen oder in Klöster eintraten.

Für die musika­lische Bekanntheit des Ospedali sorgten neben den Mädchen und Frauen vor allem berühmte Kompo­nisten. In der ältesten der vier Einrich­tungen, dem Ospedale della Pietà, wirkte der wohl bekannteste venezia­nische Komponist, Antonio Vivaldi. Doch auch an den übrigen Häusern waren im 18. Jahrhundert, der musika­lischen Blütezeit der Ospedali, die Ämter des maestro di coro begehrt, auf die sich die bedeu­tendsten Kompo­nisten verpflichten ließen. Seit 1725 wurde der Gesangs­lehrer und Opern­kom­ponist Nicola Antonio Porpora für die leitende Position am Ospedale degl’Incurabili engagiert. Beerbt wurde er in diesem Amt vom Dresdner Hofka­pell­meister Johann Adolf Hasse.

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