Benjamin Britten —
A Ceremony of Carols

Willkommen, Weihnacht - mit diesem Text eines anonymen Verfassers aus dem
14. Jahrhundert beginnt das erste Chorstück aus Benjamin Brittens Zyklus
„A Ceremony of Carols“.
Bei einem Aufenthalt in Neu-Schottland 1942 fand Britten bei einem Buchhändler
einen Gedichtband mit dem Titel „The English Galaxy of Shorter Poems“ und
während der anschließenden Rückfahrt von Amerika nach Europa komponierte er
auf hoher See die erste Fassung seiner Folge von weihnachtlichen Gesängen auf
einige Texte aus dem 14. bis 16. Jahrhundert dieser Sammlung.  

Wolcum Yole! (Willkommen, Weihnacht!)
Willkommen, willkommen, willkommen seist du, himmlischer König, willkommen,
Weihnacht! Willkommen, geboren an einem Morgen, den wir besingen wollen!
Willkommen Thomas, erster Märtyrer, ihr Heiligen, lieb und teuer, jeder Unschuldige,
bis zum zwölften Tag in Furcht. Willkommen seid ihr, Stephan und Johannes,
willkommen seist du, gutes  Neues Jahr! Willkommen, Weihnacht! Lichtmess,
Königin der Seligkeit, willkommen beiden – mehr und weniger. Willkommen,
willkommen, willkommen auch euch, die ihr hier seid, willkommen, willkommen,
willkommen allen und: amüsiert euch gut! Willkommen allen im Neuen Jahr!
Willkommen Weihnacht, willkommen!

There is no rose (Es gibt keine Rose)
Es gibt keine tugendhaftere Rose als die, welche Jesus gebar. Alleluja.
Denn in dieser Rose waren auf kleinstem Raum Himmel und Erde enthalten 
o wunderbares Geheimnis. In dieser Rose wird der eine Gott in drei Personen
sichtbar – o gleiche Gestalt.
Engel sangen den Schafhirten zu: Ehre sei Gott in der Höhe!
Lasst uns freuen.
Lassen auch wir all die weltliche Heiterkeit zurück und folgen wir dieser
freudenreichen Geburt – lasst uns ziehen!

That yongë child (Das kleine Kind)
Das kleine Kind sang sie in den Schlaf, als es zu weinen begann:
Das war eine so schöne Melodie, dass sie allen Minnesang übertraf.
Auch die Nachtigall sang: Ihr Lied war heiser und ungeeignet;
wer immer ihrem Lied zuhört und das erste lässt, der tut Unrecht.

Balulalow (Wiegenlied)
O mein teures Herz, kleiner Jesus, bereite deine Wiege in meiner Seele,
und ich werde dich in meinem Herzen wiegen und mich niemals von dir
trennen. Vielmehr will ich dich ewig preisen mit süßen Gesängen auf
deinen Ruhm. Die Knie meines Herzens will ich beugen,
um dir das wahre Wiegenlied  zu singen. (James, John und Robert Wedderburn)

As dew in Aprille (Wie Tau im April)
Ich singe dir von einer Jungfrau, die ist makellos, den König aller Könige erwählte
sie zu ihrem Sohn. Er kam so ganz still zu seiner Mutter, wie der Tau im April,
der auf das Gras fällt. Er kam so ganz still zu seiner Mutter Schoß, wie der Tau
im April, der auf die Blume fällt. Er kam so ganz still, da lag seine Mutter wie Tau
im April, der auf den Blütenzweig fällt.
Mutter und Jungfrau war niemand so wie sie;
so eine Dame mag wohl Gottes Mutter sein! 

This little Babe (Dies kleine Kind)
Dies kleine Kind, wenige Tage alt, ist gekommen, um des Satans Gemeinde
zu stehlen. Die ganze Hölle erbebt in seiner Gegenwart, obwohl er selbst nur
vor Kälte zittert, denn auf seine schwache, unbewaffnete Art wird er die Tore
der Hölle überraschen. Mit Tränen kämpft er und gewinnt das Feld, die nackte
Brust, das ist sein Schild; ein heftiger Schuss ist das Babygeschrei, die Blicke
der weinenden Augen seine Pfeile,seine kämpferischen Insignien die Kälte und
die Not, und fieberschwaches Fleisch seines Kriegers Schlachtross. Sein Lager
ist aufgeschlagen in einem Stall, sein Bollwerk ist nichts als eine zerbrochene
Wand; die Krippe sein Graben, Heuhalme seine Stangen, aus Schafhirten bestellt
er sein Aufgebot; und damit sein Feind sicher verwundet wird, blasen die Posaunen
der Engel zum Angriff. Meine Seele, verbinde dich mit Christus im Kampf, bleibe
bei den Zelten, die er erbaut. In seiner Krippe findest du sicher Schutz, denn 
dieses kleine Baby wird dein Wächter sein.
Wenn du deine Feinde mit Freude zerschmettern willst,
dann lauf’ nicht weg von diesem göttlichen Knäblein. (Robert Southwell)

Interlude (Zwischenspiel Harfe solo)

In Freezing Winter Night (In frostiger Winternacht)
Schau, ein schwaches, zartes Baby liegt zitternd in einer frostigen Winternacht in
einerschlichten Krippe, o weh, ein bedauernswerter Anblick! Die Gasthäuser sind
voll; kein Mensch will diesem kleinen Pilger sein Bett überlassen. Stattdessen
muss er zusammen mit einfältigen Tieren in der Krippe sein Haupt betten.
Dieser Stall ist der Hof des Prinzen, diese Krippe sein Staatsthron; die Tiere sind
das Zeug seiner Pracht, die hölzernen Teller sein Geschirr. Die Leute in ihrer
ärmlichen Kleidung tragen seine königlichen Livreen; der Prinz selbst kommt vom
Himmel, seine Pracht wird dort geschätzt. Nähere dich mit Freude, du christlicher
Wicht, huldige deinem König. Preise kräftig diese bescheidene Pracht, die er vom
Himmel bringt. (Robert Southwell)

Spring Carol (Frühlingslied)
Es ist eine Freude zu hören: Die singenden Vögel, das Wild im Tal, die Schafe
im Tal, das blühende Korn. Gottes Vorrat an Nahrung – für den Menschen ist das.
Dafür wollen wir ihn immer preisen und ihm danken! (William Cornish †1523)

Deo Gratias! (Dank sei Gott!)
Dank sei Gott! Dank sei Gott!  Adam lag gebunden in Fesseln;
viertausend Winter hielt er nicht für zu lang. Dank sei Gott! Dank sei Gott!
Und alles war nur wegen eines Apfels, den er nahm, wie die Schreiber in ihren
Büchern geschrieben finden. Wäre der Apfel nicht genommen worden, unsere
Dame wäre nie himmlische Königin geworden. Gesegnet sei die Zeit, da der
Apfel genommen wurde, dafür lasst uns singen. Dank sei Gott!